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Geschrieben von wurli   
Thursday, 23 March 2006
Nach dem neuen Staatsbürgerschaftsrecht sind künftig für eine Einbürgerung nicht nur Deutsch-Kenntnisse nachzuweisen. Es muss auch ein Landeskunde-Test positiv absolviert werden. Das Innenministerium hat jetzt - in Zusammenarbeit mit den Bundesländern - einen möglichen Fragekatalog erarbeitet. Die eigentlichen Tests mit 18 Fragen zur Geschichte und zur demokratischen Ordnung sind Ländersache.


Der Link zum Onlinetest (diePresse)


Der komplette Test aus der Kleinen Zeitung:
Staatsbuergerschaftstest.jpg
Staatsbuergerschaftstest.jpg

Dazu ein paar nette Statements der standard-Leser:

Die Fragen sind zwar nicht sonderlich schwer, allerdings auch nicht wirklich sinnvoll.
Sinnvoller wären Fragen:
- Zum Wahlsystem
- über die Menschenrechten
- Zur Gleichberechtigung
- Zur Religionsfreiheit
- Zur Kultur
Was bitte sollen die Fragen zu Jahreszahlen und Kyoto-Protokoll, einfach lächerlich!

http://www.unis.unvienna.org/unis/en/visitors_service.html
"Vienna, along with New York, Geneva and Nairobi, is one of the four headquarters of the United Nations."

Einige Fragen zum praktischen Alltag:
Wer darf eine Frau schlagen?
der Ehemann
der Bruder
der Vater
die Schwiegermutter
alle
niemand

Wer wählt den Ehemann aus?
die Familie
der Vater
der Bruder
die Frau

Wie hoch ist die Höchststrafe für einen Ehrenmord?
3 Monate oder weniger
1 Jahr
5 Jahre
10 Jahre oder mehr

Ist Sex vor der Ehe erlaubt?
nein
ja, wenn die Frau es will
ja, wenn der Mann es will
ja, wenn beide es wollen

usw.

Der treffliche Kommentar aus dem Standard:

Die Österreichermacher
Wenn die Realität die Satire ein- und überholt, spricht das meistens ausschließlich für die Qualität Letzterer - von Samo Kobenter
Wenn die Realität die Satire ein- und überholt, spricht das meistens ausschließlich für die Qualität Letzterer und stellt Ersterer das Zeugnis aus, das sie verdient. 1978 war’s, da gelang dem Schweizer Regisseur Rolf Lyssy mit seiner Komödie "Die Schweizermacher" ein Film, der mit einer Million Zuseher zum größten Kinoerfolg der Schweiz wurde und auch jenseits der Landesgrenzen die Massen entzückte: Da konnte man herzlich über die Borniertheit und den Chauvinismus der eidgenössischen Nachbarn lachen, die einschlägig geschulte Beamte zur Überprüfung der Staatsbürgerschaftstauglichkeit einsetzten. Was haben wir über den unvergessenen Emil Steinberger gelacht, der so unverschämt die Privatsphäre der Einbürgerungswilligen durchschnüffelte, dass kein Fonduetopf ungelüpft, keine Landesfahne ungehisst und kein Alphorn ungeblasen blieb.

Mittlerweile sind wir längst Schweizermacher geworden. Die österreichische Variante sieht dabei "Staatsbürgerschaftstests" vor, die, unter Drohung der Ausbürgerung auf Inländer angewandt, ganze Landstriche leeren würden: Wo sich "zwei berühmte Flügelaltäre Oberösterreichs" befinden, dürfte selbst eingefleischten Mostschädeln nicht im Schlaf geläufig sein.

Das ist ein durchgehendes Merkmal dieser Tests: Unter dem Vorwand, die Kenntnis regionaler Geschichte und Kultur zu vertiefen, wird den künftigen Mitbürgern genau der klein karierte Provinzialismus eingeimpft, dessen Vorhandensein hier zu Lande stets bestritten wird. Manche Fragen verraten wenigstens ein bisschen Selbstironie, wie der steirische Fragebogen beweist: Dass die Habsburger nebenbei Könige von Ungarn und nicht von Grönland oder Australien waren, sollte auch in einem "internationaler" gefassten Wissensstand verankert sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.4.2006)



Letztes Update ( Tuesday, 04 April 2006 )
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