Andreas März von der Redaktion "Merum" startete heute seine Internet-Umfrage zur "Charta des reinen Weines". Diese Charta soll die Produktionsregeln für "reinen Wein" festlegen. Winzer, die sich daran halten, dürfen ihre Etiketten mit dem Charta Signet schmücken - ähnlich wie bei dem "Demeter" Bio-Zertifikat. Auf diese Art und Weise könnten Verbraucher beim Kauf zwischen Power- und sanfter Önologie wählen und sich für die Art der Weinpoduktion entscheiden, die ihren Vorstellungen entspricht. Beispiele für derzeit erlaubte "Hilfsmittel" bei der Weinproduktion (aus der Umfrage) nachfolgend - fragen Sie Ihren Winzer beim nächsten Besuch, welche der modernen Techniken bei ihm schon Einzug gehalten haben und denken Sie daran, wenn Sie den nächsten Wein aus den USA, Chile, Australien oder Südafrika kaufen.... Mikrooxigenation
Die Mikrooxigenation ist eine neue, stark in Mode geratene Technik, bei
der rotem Jungwein mit einem Apparat Sauerstoff in dosierten Mengen
zugeführt wird. Ziel ist die Verfeinerung der Gerbstoffe und die
Farbstabilisierung. (In der EU und den USA erlaubt.)
Aromahefen
Neben spezifischen Aromaenzymen gibt es Aromahefen, die bei der Gärung
bestimmte, gewünschte Aromastoffe bilden. So können zum Beispiel einem
Müller Thurgau die Aromen eines Sauvignons gegeben werden. Die
Sortentypizität kann komplett verändert werden. (Keine Verbote
bekannt.)
Enzyme
Enzyme (auch: Fermente) sind Proteinmoleküle, die für unzählige
chemische Reaktionen verantwortlich sind. In der modernen Önologie sind
Enzympräparate sehr verbreitet. Sie werden eingesetzt zur
Aromafreisetzung, Verbesserung der Farbextraktion, Extraktion weicherer
Tannine, Verbesserung der Filtereigenschaften und Freisetzung von
Mannoproteinen der Hefe, um dem Wein Cremigkeit (auch „mouthfeeling“
genannt) zu verleihen. (In der EU und den USA erlaubt.)
Gummi arabicum
Gummi arabicum ist ein natürliches Pflanzenharz gewisser Akazienarten.
In der Önologie ist die Substanz beliebt, weil sie nicht nur
farbstabilisierend wirkt, sondern als Verdickungsmittel
(Lebensmittelindustrie) die Cremigkeit des Weins („mouthfeeling“)
erhöht. (In der EU und den USA erlaubt.)
Tannine
Tanninpräparate in Pulver- und Flüssigform sind die Wunderwaffe der
modernen Önologen. Im Handel gibt es Trauben- und Holztannine, neutrale
und aromatisierte. Tannine werden eingesetzt, um die Farbe zu
stabilisieren, dem Wein Struktur und Cremigkeit zu geben oder um ihn zu
aromatisieren. (In der EU und den USA erlaubt.)
Mannoproteine
Mannoproteine sind Substanzen, die in den Zellwänden der Hefen
vorhanden sind. Sie haben farb- und aromenstabilisierende Wirkung und
machen den Wein füllig und cremig. Sie treten aus den Zellwänden der
Hefen durch den natürlichen Prozess der Autolyse aus. Wo das nicht
reicht, werden Enzyme zugesetzt, die die Auflösung der Hefen
beschleunigen oder industriell gefertigte Hefepräparate, die diese
Substanzen an den Wein abgeben. Präparate bestehend aus Hefezellwänden
und bereits auch lösliche Mannoprotein-Extrakte werden, oft
angereichert mit Tanninen, als fertigformulierte Cocktails für die
Weinveredlung angeboten. (Mannoproteine: in der EU und den USA
verboten.)
Eichenspäne (Chips)
Die Weinbehandlung mit mehr oder weniger stark getoasteten Spänen
kostet pro Flasche etwa hundertmal weniger als der Barriqueausbau.
Manche Experten behaupten, zwischen einen Barriquewein und einem Wein,
der mit Spänen und Mikrooxigenation behandelt wurde, keine sensorischen
Unterschiede feststellen zu können. (In der EU seit jüngstem, in den
USA schon lange erlaubt.)
Konservierungsstoffe
Außer des traditionellen, praktisch unverzichtbaren Schwefelns (SO2)
gibt es eine Reihe weiterer chemischer Konservierungsmittel, um den
Wein haltbar zu machen.
Umkehrosmose
Mit der Umkehrosmose kann ein Wein dank selektiv durchlässigen
Membranen und hohen Drücken (60 bis 100 bar) praktisch in seine
Einzelteile zerlegt werden und beim Zusammensetzen gewisse Stoffe (nach
Wunsch: Alkohol, Essigsäure oder Wasser) weggelassen werden. Zur
Reinigung der entfernten Substanzen muss vor der Neuzusammensetzung des
Weins ein Ionenaustauscher zum Einsatz kommen. (In der EU nur für Most,
in den USA auch für Wein erlaubt.)
Schleuderkegelkolonne (Spinning Cone Column)
Die Schleuderkegelkolonne ist eine Säule, in der auf einer vertikalen
Achse kegelförmige Einsätze rotieren. Der Apparat ist in der Lage,
einen Wein zu entschwefeln, ihm Alkohol zu entziehen, die Aromen zu
separieren oder auch Wasser auszuscheiden. So lässt sich ein Wein zum
Beispiel in Aromen, Alkohol sowie eine alkohol- und aromenfreie
wässerige Lösung zerlegen und danach in der gewünschten Form wieder
zusammensetzen. (In der EU verboten, in den USA erlaubt.)
Elektrodialyse
Die Elektrodialyse dient dazu, spätere Weinsteinausfällungen zu
verhindern. Zu diesem Zweck wird der Wein ionisiert und ihm über
Membranen bestimmte Substanzen wie Kalium, Kalzium, Weinsäure und
Äpfelsäure entzogen. (In der EU und den USA erlaubt.)