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Hofer-Olivenöl - warum eigentlich nicht? PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von wurli   
Thursday, 19 October 2006
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Dem Importeur des „Native Olivenöl extra“ Cantinelle von Aldi-Süd (sicherlich beispielgebend für viele in Österreich bei Hofer oder anderen Discountern erhältliche "Extra Vergine"-Öle) wurde die Frage gestellt, ob das Öl wirklich den qualitativen Anforderungen genügt oder Etikettenschwindel betrieben wird. Die Antwort des Importeurs spricht für sich.
Ergänzend dazu noch ein Kommentar von Merum-Chefredakteur Andreas März (selbst Olivenbauer)

„Hochwertiges“ Extra Vergine bei Aldi

Merum-Leser Thomas Riedl aus Bonn verwendet in seinem Haushalt das „Native Olivenöl extra“ Cantinelle von Aldi-Süd. Nach der Lektüre des Feinschmecker-Artikels über gefälschte Discounter-Olivenöle und des Merum-Dossiers Olivenöl schrieb er dem Cantinelle-Importeur Alfred Graf GmbH in Hamburg: „Nun bin ich verunsichert und möchte Sie gerne direkt fragen: Steckt hinter dem genannten Produkt Betrug? Wenn ja, wer ist der Betrüger? Ist das Öl thermisch behandelt wie im Feinschmecker zu lesen ist? Woher kommen die Oliven? Wie hat es in offiziellen Panel-Tests abgeschnitten?“

Die Antwort des Importeurs:

„Sehr geehrter Herr Riedl, ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sie sich durch die Artikel in den Zeitschriften ‚Der Feinschmecker’ und ‚Merum’ verunsichert fühlen. Zum einen halte ich die Art der Darstellung des Themas Olivenöl hier für, vorsichtig ausgedrückt, sehr reißerisch und übertrieben, kann jedoch nur zu den Angaben Stellung beziehen, die uns als Importeur wie auch unseren Hersteller, Firma Cavanna Olii, direkt betreffen.

Zum Zweiten sind eben diese uns betreffenden Angaben schlicht unwahr. Es wurde mehrfach in Erwägung gezogen, Verleumdungsklagen anzustrengen; gegen deutsche Presseorgane ist dies jedoch nahezu aussichtslos und mit horrenden Kosten verbunden. (…) Es ist mittlerweile nachgewiesen und allgemein anerkannt, dass die veränderten chemischen Werte, aufgrund derer z. B. unser Produkt ‚Castello’ als ‚thermisch behandelt’ verleumdet wurde, auf den natürlichen Alterungsprozess des Olivenöles zurückzuführen sind. (…) Über die Lebensdauer (Olivenöl ist bis zu 24 Monaten und länger haltbar) verändern sich verschiedene chemische Werte des Öles (…).

Die natürlichen Veränderungen wirken sich jedoch weder auf die Qualität des Öles aus, noch lässt sich dieser Prozess vermeiden. Durch unsachgemäße Transportierung oder Lagerung (zu hell, zu warm) verstärkt sich dieser Prozess.

Ich hoffe, dass ich mit diesen Ausführungen Ihre ersten drei Fragen eindeutig beantworten konnte. (…) Die Oliven für das von Ihnen verwendete Olivenöl ‚Cantinelle’ stammen aus verschiedenen Anbaugebieten des EU-Mittelmeerraumes, also ausgewählte Gebiete in Italien, Spanien und Griechenland, werden im Ursprung gepresst (also erntefrisch) und in Italien abgefüllt. Jede Partie Olivenöl wird vor der Abfüllung chemisch und sensorisch durch das Labor Eurofins in Hamburg untersucht. Die Ergebnisse des Paneltests: (…) Fehler: 0,0, Beurteilung: charakteristisch, fruchtig, leicht bitter, etwas anhängend scharf, leichte Cassis-Note erkennbar, extra nativ, (…). Diese Bewertung entspricht einem hochwertigen extra nativen Olivenöl. (…)“

Inga Päpper, Alfred Graf Hamburg GmbH & Co. KG, Hamburg


Kommentar von Andreas März:

Lieber Herr Riedl

Sie fragen mich, was ich von der Antwort des Importeurs des Cantinelle-Olivenöls halte. Auf jeden Fall finde ich die freundliche Art und die Detailliertheit der Antwort von Frau Päpper schon mal sehr positiv. Dass Frau Päpper nicht gut auf Merum zu sprechen ist, scheint mir nur natürlich, schließlich wird das von ihrer Firma vertretene Produkt von uns kritisiert.

Zur „Verleumdungsklage“ möchte ich der Vollständigkeit halber anmerken, dass gegen mich gerade eine solche im Tun ist, von Seiten der Firma Carapelli. Die jetzt spanische Firma mit Sitz in der Nähe von Florenz scheint „horrende Kosten“ offenbar nicht zu scheuen, um mich in die Schranken zu verweisen.

Frau Päpper konzentriert sich darauf, den Vorwurf der thermischen Behandlung – eine Fälschung – zu widerlegen und versucht, die für diesen Verdacht die Grundlage bildenden Substanzen durch den natürlichen Alterungsprozess und unsachgemäßen Transport und Lagerung zu erklären. Wenn Frau Päpper nun überzeugt ist, „dass Olivenöl bis zu 24 Monaten und länger haltbar ist“, dann wird mir klar, weshalb die Öle ihrer Firma oxidative Probleme aufweisen. Denn nur Olivenöle mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an natürlichen Antioxidantien sind tatsächlich in der Lage, das erste Lebensjahr noch als Extra Vergine zu beschließen. Nach zwei Jahren ist vor allem ein mit herkömmlichen Methoden, also oxidativ erzeugtes Öl schlichtweg ranzig, und von Extra Vergine kann nicht mehr entfernt die Rede sein.

Ich kann keinesfalls beurteilen, ob das beanstandete Cantinelle-Öl tatsächlich eine verbotene Behandlung erfahren hat. Ich kann nur wiederholen, dass unsere Untersuchung durch einen der offiziellen Panel Italiens, den ARPAT-Panel von Florenz, ergeben hat, dass es sich beim seinerzeit untersuchten Cantinelle-Öl (Ablaufdatum 13/02/05) NICHT um ein Extra Natives Olivenöl, sondern lediglich um ein Natives Olivenöl gehandelt hatte. Diese Bewertung bedeutet, dass eine Falschbezeichnung, also Etikettenschwindel vorlag. Auf ein oxidativ geschädigtes Öl lässt auch die Argumentation von Frau Päpper selbst schließen („natürlichen Alterungsprozess und unsachgemäßen Transport und Lagerung“).

Des Weiteren legt die „leichte Cassis-Note“ des Eurofins-Panels die Vermutung nahe, dass das Öl – zumindest zum Teil – aus anfermentierten spanischen Picual gepresst wurde. Bei deutschen Panels geschieht es oft, dass diese Cassis-Noten statt als Fehlaroma für Frucht gehalten werden. Frau Päpper spricht von einem hochwertigen extra nativen Olivenöl. Das darf man ihr nicht übelnehmen. Ich habe das Cantinelle vor rund 18 Monaten zum letzten Mal probiert und das reicht mir auch. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Öl in der Zwischenzeit „hochwertig“ geworden ist.

Ihr Andreas März
Letztes Update ( Thursday, 19 October 2006 )
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