 Dem Importeur des „Native Olivenöl extra“ Cantinelle von Aldi-Süd (sicherlich beispielgebend für viele in Österreich bei Hofer oder anderen Discountern erhältliche "Extra Vergine"-Öle) wurde die Frage gestellt, ob das Öl wirklich den qualitativen Anforderungen genügt oder Etikettenschwindel betrieben wird. Die Antwort des Importeurs spricht für sich. Ergänzend dazu noch ein Kommentar von Merum-Chefredakteur Andreas März (selbst Olivenbauer)
„Hochwertiges“ Extra Vergine bei Aldi
Merum-Leser
Thomas Riedl aus Bonn verwendet in seinem Haushalt das „Native Olivenöl
extra“ Cantinelle von Aldi-Süd. Nach der Lektüre des
Feinschmecker-Artikels über gefälschte Discounter-Olivenöle und des
Merum-Dossiers Olivenöl schrieb er dem Cantinelle-Importeur Alfred Graf
GmbH in Hamburg: „Nun bin ich verunsichert und möchte Sie gerne direkt
fragen: Steckt hinter dem genannten Produkt Betrug? Wenn ja, wer ist
der Betrüger? Ist das Öl thermisch behandelt wie im Feinschmecker zu
lesen ist? Woher kommen die Oliven? Wie hat es in offiziellen
Panel-Tests abgeschnitten?“
Die Antwort des Importeurs:
„Sehr geehrter
Herr Riedl, ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sie sich durch die
Artikel in den Zeitschriften ‚Der Feinschmecker’ und ‚Merum’
verunsichert fühlen. Zum einen halte ich die Art der Darstellung des
Themas Olivenöl hier für, vorsichtig ausgedrückt, sehr reißerisch und
übertrieben, kann jedoch nur zu den Angaben Stellung beziehen, die uns
als Importeur wie auch unseren Hersteller, Firma Cavanna Olii, direkt
betreffen.
Zum Zweiten sind
eben diese uns betreffenden Angaben schlicht unwahr. Es wurde mehrfach
in Erwägung gezogen, Verleumdungsklagen anzustrengen; gegen deutsche
Presseorgane ist dies jedoch nahezu aussichtslos und mit horrenden
Kosten verbunden. (…) Es ist mittlerweile nachgewiesen und allgemein
anerkannt, dass die veränderten chemischen Werte, aufgrund derer z. B.
unser Produkt ‚Castello’ als ‚thermisch behandelt’ verleumdet wurde,
auf den natürlichen Alterungsprozess des Olivenöles zurückzuführen
sind. (…) Über die Lebensdauer (Olivenöl ist bis zu 24 Monaten und
länger haltbar) verändern sich verschiedene chemische Werte des Öles
(…).
Die natürlichen
Veränderungen wirken sich jedoch weder auf die Qualität des Öles aus,
noch lässt sich dieser Prozess vermeiden. Durch unsachgemäße
Transportierung oder Lagerung (zu hell, zu warm) verstärkt sich dieser
Prozess.
Ich hoffe, dass
ich mit diesen Ausführungen Ihre ersten drei Fragen eindeutig
beantworten konnte. (…) Die Oliven für das von Ihnen verwendete
Olivenöl ‚Cantinelle’ stammen aus verschiedenen Anbaugebieten des
EU-Mittelmeerraumes, also ausgewählte Gebiete in Italien, Spanien und
Griechenland, werden im Ursprung gepresst (also erntefrisch) und in
Italien abgefüllt. Jede Partie Olivenöl wird vor der Abfüllung chemisch
und sensorisch durch das Labor Eurofins in Hamburg untersucht. Die
Ergebnisse des Paneltests: (…) Fehler: 0,0, Beurteilung:
charakteristisch, fruchtig, leicht bitter, etwas anhängend scharf,
leichte Cassis-Note erkennbar, extra nativ, (…). Diese Bewertung
entspricht einem hochwertigen extra nativen Olivenöl. (…)“
Inga Päpper, Alfred Graf Hamburg GmbH & Co. KG, Hamburg
Kommentar von Andreas März:
Lieber Herr Riedl
Sie fragen mich,
was ich von der Antwort des Importeurs des Cantinelle-Olivenöls halte.
Auf jeden Fall finde ich die freundliche Art und die Detailliertheit
der Antwort von Frau Päpper schon mal sehr positiv. Dass Frau Päpper
nicht gut auf Merum zu sprechen ist, scheint mir nur natürlich,
schließlich wird das von ihrer Firma vertretene Produkt von uns
kritisiert.
Zur
„Verleumdungsklage“ möchte ich der Vollständigkeit halber anmerken,
dass gegen mich gerade eine solche im Tun ist, von Seiten der Firma
Carapelli. Die jetzt spanische Firma mit Sitz in der Nähe von Florenz
scheint „horrende Kosten“ offenbar nicht zu scheuen, um mich in die
Schranken zu verweisen.
Frau Päpper
konzentriert sich darauf, den Vorwurf der thermischen Behandlung – eine
Fälschung – zu widerlegen und versucht, die für diesen Verdacht die
Grundlage bildenden Substanzen durch den natürlichen Alterungsprozess
und unsachgemäßen Transport und Lagerung zu erklären. Wenn Frau Päpper
nun überzeugt ist, „dass Olivenöl bis zu 24 Monaten und länger haltbar
ist“, dann wird mir klar, weshalb die Öle ihrer Firma oxidative
Probleme aufweisen. Denn nur Olivenöle mit einem überdurchschnittlich
hohen Anteil an natürlichen Antioxidantien sind tatsächlich in der
Lage, das erste Lebensjahr noch als Extra Vergine zu beschließen. Nach
zwei Jahren ist vor allem ein mit herkömmlichen Methoden, also oxidativ
erzeugtes Öl schlichtweg ranzig, und von Extra Vergine kann nicht mehr
entfernt die Rede sein.
Ich kann
keinesfalls beurteilen, ob das beanstandete Cantinelle-Öl tatsächlich
eine verbotene Behandlung erfahren hat. Ich kann nur wiederholen, dass
unsere Untersuchung durch einen der offiziellen Panel Italiens, den
ARPAT-Panel von Florenz, ergeben hat, dass es sich beim seinerzeit
untersuchten Cantinelle-Öl (Ablaufdatum 13/02/05) NICHT um ein Extra
Natives Olivenöl, sondern lediglich um ein Natives Olivenöl gehandelt
hatte. Diese Bewertung bedeutet, dass eine Falschbezeichnung, also
Etikettenschwindel vorlag. Auf ein oxidativ geschädigtes Öl lässt auch
die Argumentation von Frau Päpper selbst schließen („natürlichen
Alterungsprozess und unsachgemäßen Transport und Lagerung“). Des
Weiteren legt die „leichte Cassis-Note“ des Eurofins-Panels die
Vermutung nahe, dass das Öl – zumindest zum Teil – aus anfermentierten
spanischen Picual gepresst wurde. Bei deutschen Panels geschieht es
oft, dass diese Cassis-Noten statt als Fehlaroma für Frucht gehalten
werden.
Frau Päpper spricht von einem hochwertigen extra nativen Olivenöl. Das
darf man ihr nicht übelnehmen. Ich habe das Cantinelle vor rund 18
Monaten zum letzten Mal probiert und das reicht mir auch. Ich kann mir
beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Öl in der Zwischenzeit
„hochwertig“ geworden ist. Ihr Andreas März |